Sonntag, 6. Dezember 2015

Heute werde ich mal persönlich...


... letztes Jahr am Heiligen Abend erreichte mich die Nachricht, dass mein Vater tot ist. Ohne Vorwarnung, ohne dass er krank war, ist er ganz plötzlich und viel zu früh mit 72 gestorben.
Zurück blieben meine Schwestern und ich, aber auch meine Mutter, die von meinem Vater gepflegt worden war.

Es folgte eine mehrmonatige Odyssee auf der wir uns auf die Suche nach einem guten Ort  für unsere Mutter machten. Mit Pflegestufe 3 ist sie in jedem Lebensbereich auf Hilfe angewiesen.
Einen Platz zu finden ist im Raum Erlangen/Nürnberg ÜBERHAUPT kein Problem. Aber einen GUTEN Platz zu finden, das ist schon sehr viel schwerer.
Wir haben 5 Monate gesucht, zig Einrichtungen angesehen. Von schrecklich bis ganz schrecklich. Ein hübsches Gebäude ist nur für die Angehörigen, den Pflegebedürftigen nutzt das nichts. Wenn niemand da ist, der einem den Trinkbecher anreicht, wenn man das selbst nicht mehr kann, ist die Schönheit des Gebäudes oder die Innenarchitektur irrelevant.

Fünf Monate war unsere Mutter in einem Pflegeheim, dass den allerbesten Ruf genießt, die höchsten Bewertungen des Medizinischen Dienstes hat, dass aber so schrecklich war, dass wir das Gefühl hatten, wenn wir da nicht JEDEN Tag nach dem Rechten sehen, ist nicht gewährleistet, dass auch nur die Grundversorgung gesichert ist.

Auf unserer Suche sind wir auf das Modell: Alten- oder Demenz-WG gestoßen. Wir haben uns mehrere Einrichtungen  dieser Art angesehen und waren sofort sicher: nur so geht das.

Zehn alte, hilfsbedürftige Menschen leben in einer Wohngemeinschaft zusammen und werden von einem Pflegedienst 24 Stunden/rund um die Uhr betreut und gepflegt.

Gepflegt UND betreut, das klingt nach nichts besonderem. Jeder der sich damit noch nicht beschäftigt hat, denkt jetzt wahrscheinlich: ja, klar, was denn auch sonst? Die Frage ist berechtigt, denn übliche Praxis in Pflegeheimen ist, dass die Pflege und die Betreuung abrechnungstechnisch getrennt betrachtet werden. In der Praxis heißt das: es sind bestimmte Pfleger NUR für die Pflege zuständig und andere NUR für die Betreuung.  Die einen helfen auf Klo, waschen die Bewohner oder helfen beim Essen und ganz andere sorgen für Beschäftigung. Das heißt das Pflegepersonal ist nicht für Zuwendung zuständig, hat dafür auch keine Zeit, weil das nicht vorgesehen ist. Und das Personal, dass für die Betreuung zuständig ist, darf nicht zu Essen geben und nicht auf Klo helfen, weil sie möglicherweise gar nicht die Ausbildung dazu haben.

Das heißt die Altenpfleger können sich gar nicht richtig kümmern, weil das was eigentlich zusammen gehört, getrennt verrechnet wird. Und dazu kommt natürlich der "Betreuungsschlüssel" der fest legt wie viele Pfleger pro zu pflegender Person bezahlt werden. In dem "tollen" Pflegeheim waren das 3 Pfleger Vormittags, 2 Nachmittags und 1 in der Nacht, für 23 (!) Personen unterschiedlicher Bedürftigkeit.

In einer Alten-WG wird der Pflegedienst von den Angehörigen beauftragt. Die Angehörigen haben Mitsprache darüber wie es sein soll. Es sind genauso viel Pflegende dort wie in dem Heim, jedoch nicht für 23, sondern für 10 Personen. Die Beschäftigten des Pflegedienstes kümmern sich um alle Bedürfnisse der Bewohner. Hinzu kommen externe Angebote, Therapien etc. die von zusätzlichen Personen geleistet werden.  Es wird dort gelebt, wie in einer Familie. Es gibt eine große Wohnküche und eine angestellte Hauswirtschafterin kümmert sich um den Haushalt. Da wird gekocht, gegessen und gelebt. Wer noch mit helfen kann, hilft mit, wer das nicht kann, ist einfach dabei. Jeder hat ein, mit eigenen Möbeln eingerichtetes Zimmer und es sind immer Angehörige da, die zu Besuch sind oder mit helfen oder sonst etwas tun. Es ist eine wirklich schöne Atmosphäre.

In so einer WG lebt meine Mutter nun. Das ist wirklich die einzige Form, die nach unserer Meinung, gut ist. Viele fragen sich jetzt vielleicht: Kann man das überhaupt bezahlen? Ja, man kann, es kostet in unserem Fall (das hängt von der Pflegestufe ab) tatsächlich ca. 200 € WENIGER als das Pflegeheim im 2-Bettzimmer.



Hier zwei Adressen: Es gibt für beide Häuser eine Warteliste, 
wobei in der Villa Maria Ströhla aktuell ein Platz frei ist.

Villa Maria Ströhla, in Erlangen/Sieglitzhof Tel: 09131 9 20 18 70
Haus Schlossberg in Höchststadt a.d.Aisch Tel: 09193 5011152
Hier ein schöner Bericht über das Haus Schlossberg. In den anderen Wohngemeinschaften ist es sehr ähnlich.
Diese beiden Häuser waren unsere Favoriten, da es sie schon länger gibt und sich schon funktionierende Routinen in den Abläufen eingestellt haben.

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Weihnachten wird allerdings NIE mehr wie zuvor. Ich kann mir einfach im Moment nicht vorstellen zu feiern. Der Gedanke daran, dass wir nie wieder am 26.12. zu unserem traditionellen Familienfest zusammen kommen werden, macht mich einfach nur unendlich traurig.





Kommentare:

  1. Ich denke dieses weihnachten wird das schlimmste der kommenden Jahrestage, denn es ist ja gerade ein Jahr vergangen, noch ist alles frisch, ich wünsche dir Menschen, die sich mit dir hinsetzen und nicht sagen, es wird besser, sondern deinen Kummer aushalten und mittragen.
    Das mit der WG denke ich auch ist eine der besten Möglichkeiten, dies wird wohl in 10 oder 15 Jahren auch auf uns zu kommen wenn unsere behinderte Tochter ins Leben raus muss/soll und eben nicht alleine leben kann/darf. Wir sind leider recht "alte" Eltern und das macht Bauchweh, daher kann ich dir gut nachfühlen.
    Ich wünsche dir einfach auch ein paar schöne Gedanken und Momente in der nächsten Zeit <3
    Martina

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  2. Da gebe ich Dir Recht, Alten-WG....super, ich kenne das aus der Erzählung meines Kollegen, sein Vater lebt in so einer und fühlt sich pudelwohl. Anders der Fall...die Mutter meines Freundes lebt seit vier Jahren im Altenheim...sündhaft teuer, die Ersparnisse sind aufgebraucht...Pflege....Milchsuppe, Schlabberessen...Abfertigung...um 17.00 Uhr schon zu Abend essen....und wenn die alten Herrschaften nicht so schnell sind, dann bleiben sie im Bett und fertig....neeeee....Wenn es bei meinem Eltern so weit sein sollte....Alten-WG! Es gibt leider nur ganz wenige tolle Pflegekräfte in den Altenheimen.....

    GLG Regina

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    1. Danke! <3 Es liegt aber nicht nur am Personalmangel, sondern auch an dieser Trennung zwischen Betreuung und Pflege. Ich finde das soooo falsch!

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  3. Liebe Sabine, ich kann dich gut verstehen. Als vor über 10 Jahren meine Oma gestorben ist, war auch auf einmal alles anders. Und das ist es immer noch. Ich vermisse sie, als ob es gestern war. Weihnachten wurde auch für unsere recht große Familie ein anderes fest. Mitlerweile gibt es wieder Routine, aber es ist einfach anders.
    Ich finde es wunderbar, dass es solch schöne Einrichtungen für ältere Menschen gibt. Ich hoffe, so etwas bei uns im Norden auch zu finden, wenn meine Mama irgendwann einmal nicht mehr so kann, wie sie möchte.
    Ich wünsche dir liebe Gedanken und eine ruhige Adventszeit.
    Ganz liebe Grüße susanne ♥


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    1. Danke! <3 Es gibt immer mehr solche Einrichtungen, zum Glück!

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  4. Ich wünsche Dir viel Kraft. Schön, habt ihr einen guten Ort für Eure Mama gefunden! Ich hoffe Du kannst trotzdem schöne und ruhige Weihnachten verbringen.
    LG
    Claudine

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    1. Danke! <3 Wir haben uns entschlossen weitweit weg zu reisen und Weihnachten gar nicht zu "feiern".

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  5. Hallo Du,
    ich fühle mit dir. 2008 am Heiligen Abend ist mein Papa mit 61 J. gestorben, es war schlimm.
    Jetzt ist es schon einige Zeit her, aber es tut immer noch weh und wir vermissen ihn noch immer.
    Ich wünsche dir viel Kraft und trefft euch, geniest die Erinnerungen.
    Liebe Grüße
    Sonja

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  6. Liebe Smila, Deine Worte haben mich sehr bewegt. Es ist schön zu hören, das ihr für Eure Mutter einen guten Platz gefunden habt. Auch ich habe meinen Vater viel zu früh verloren.
    Deshalb, kann ich deine Gefühle so gut verstehen!
    Mein Vater ist schon elf Jahre tot, aber er fehlt.
    Man sagt so schön, die Zeit heilt alle Wunden....
    Das stimmt schon, aber nur bedingt.
    Jedes Jahr in der Adventszeit und dann natürlich an Weihnachten, fehlt er mir besonders.
    Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft. Fühl Dich von mir gedrückt.
    Liebe Grüße Diana

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  7. Gerade heimgekehrt vom Besuch meiner Mutter im Heim, in dem sie nun auf eigenen Wunsch geblieben ist, nachdem sie einen Monat dort bei meinem demenzkranken Vater gewohnt hat bis er gestorben ist, kann ich deine Beobachtungen & Gefühle nur teilen, habe aber keine bessere Lösung.
    Die, die wir für meine Schwiegermutter hatten ( die vor 3 Monaten mit 102 gestorben ist ), war ein absoluter Glücksfall: WG mit einem Männerpaar ( Alten- & Krankenpfleger ) und nur bezahlbar, da genug Geld da war...

    Was Weihnachten anbelangt, ist es mir auch ziemlich verhagelt, denn das letzte Fest war einfach nur furchtbar, und dieses Jahr fehlen einfach zwei Menschen, ich kann nicht überall sein zum miteinander Feiern, bin auch mit meinem Trauern noch nicht zu einem Abschluss gekommen. Das Einzige was mich am Feiern festhalten lässt, sind meine Enkelkinder.
    Ich hoffe, dir gibt deine Tochter auch die Kraft dafür!
    Du kannst sicher sein, dass es viele Menschen hier in der Bloggerwelt gibt, die auch dich in ihre Gedanken einschließen werden an Weihnachten...
    Herzlichst
    Astrid

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    1. Danke für deine lieben Worte. Und auch für die Traurigen. Ich sende dir liebe Grüße!

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  8. Ja unsere so schön eingerichteten Altenheime nützen dem alten Menschen garnichts wenn nicht genug Personal vorhanden ist. Es liegt angeblich an unserem Pflegepersonal Mangel. Quatsch es gibt genug Altenpflegepersonal aber mal ganz ehrlich, wer will schon für 8,50€ und immer diese Überstunden, jedes zweite Wochenende und Feiertage so eine verantwortungsvolle Arbeit verrichten. Ganz zu schweigen von der körperlichen Arbeit. Es liegt an unserer Politik. Für alles ist Geld da nur nicht für unsere Alten die unser Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Es ist eine Schande das man diese Leute in den Heimen alleine lässt, sprich zu wenig Personal. Nur wo soll das hinführen unsere Generation wird auch immer älter und was passiert mit uns? Ich freue mich das du für deine Mutter einen so guten Platz gefunden hast. Ich wünschte mir es gäbe mehr davon.
    Lg Sylvia

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  9. Liebe Smila,
    mein Vater ist Weihnachten 2006 gestorben, ich habe den Tag so gefeiert wie wir es immer gemacht haben. Wir haben meinem Papa eine Kerze angezündet und jeder hat ihm gesagt was er gerade gefühlt hat...was ich auch eine schöne Geste finde ist einen Luftballon mit einer Karte in die Luft steigen zu lassen mit Gedanken an den Papa. Lass auch mal Trauer zu, immer nur die Trauer wegzudrücken ist nicht gut. Fühl Dich lieb umarmt.
    Alles Liebe Christa

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  10. Liebe Smila,
    ich denk oft an dich - hoffentlich findet Ihr dennoch eine Möglichkeit, schöne Weihnachtsmomente zu leben - deine Tochter braucht das ja auch!!
    Ich drück dich und hoffe, wir finden mal wieder Zeit für ein Treffen... die Zeit ist gerast und wir sind alle so beschäftigt.
    herzliche Grüße von Ellen

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  11. Liebe Sabine,
    ich wünsche Dir alle Kraft, die du finden kannst - um für dich und deine Lieben eine schöne Zeit zu haben und auf die guten Momente zurückblicken zu können.
    Bei uns fehlt nun seit 5 Jahren auch der Vater und Opa - und dieser Platz ist nicht zu ersetzen.

    Deine Erfahrungen mit der Alten-WG finde ich sehr, sehr wertvoll und interessant. Danke dafür!
    Alles Liebe,
    Suse

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  12. Liebe Sabine,
    ich will dir einfach nur kurz ein paar liebe Worte da lassen. Da steht euch wirklich kein schönes Weihnachtsfest bevor. Ich wünsche dir ganz viel Kraft die Feiertage zu überstehen. Auch wenn das in der heutigen Zeit nicht mehr so in Mode ist: Vielleicht hilft es ja ein wenig sich gar nicht so auf's Feiern und die Geschenke zu besinnen, sondern einfach nur mal zu beten oder die eigentliche Weihnachtsgeschichte an sich ranzulassen.
    Ich sende dir jedenfalls ganz viele liebe Gedanken,
    Annika

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  13. ich kann mit dir fühlen...ich feierte gemütlich fröhlich meinen geburtstag vor 5 jahren...tisch voller lustige frauen..bis das telefon klingelte und man mir sagte mein vater sei gestorben mit 69...heute nach dieser zeit denke ich an meinem geburtstag immer mit einem lächeln an ihn..er ist bei mir und feiert mit...ich wünsche, dass du auch wieder feiern kannst...es braucht einfach ein bisschen trauerzeit..ganz liebe grüsse lee-ann

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  14. Liebe Smila, danke für das Persönlich werden. Es ist sicher schwierig und ich unterstütze voll Deine Gedanken! Es ist sicher schwer und es wird dauern! Was Du über die Versorgung von alten Menschen geschrieben hast, trifft es und meine Meinung dazu: Geld ist genug, nur falsch verteilt. Als Altenpfleger wie als Mitarbeiter beim Jugendamt ist man immer mit dem Fuss im Gefängnis, im Zwiespalt... Bedenklich ist auch, dass die Berufe am schlechtesten bezahlt und auch angesehen, die sich um Menschen kümmern wie Erzieher, Krankenpfleger, Sozialarbeiter etc. Was sagt das über uns? Kraft, die Trauer zuzulassen, wünsche ich Dir. Lieben Gruß

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